Und… Wolfgang-Hahn-Preis 2016 geht an den Künstler Huang Yong Ping

Mit Huang Yong Ping erhält einer der wichtigsten Vertreter der chinesischen Avantgarde den Wolfgang-Hahn-Preis. Foto: © Museum Ludwig, KölnDie Preisverleihung findet am 12. April im Museum Ludwig, Köln, dem Vorabend der Art Cologne, statt.

KÖLN. Zum 22. Mal in jährlicher Folge verleiht die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig den Wolfgang-Hahn-Preis. In 2016 wird der 1954 in China geborene, seit 1989 in Paris lebende Künstler Huang Yong Ping ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die Gesellschaft für Moderne Kunst das konsequente künstlerische Schaffen des Ausgezeichneten. Sie wird ein Schlüsselwerk zugunsten der Sammlung des Museum Ludwig erwerben. Dieser Ankauf wird begleitet von einer Präsentation im Museum Ludwig und einer Publikation (von 13. April bis 28. August 2016).


Die Auswahl des Preisträgers 2016 fand unter der Mitwirkung von Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig, und des diesjährigen Gastjurors Doryun Chong, Chief Curator am M+ Hong Kong, statt. Weitere Mitwirkende in der Jury waren die Vorstandsmitglieder der Gesellschaft für Moderne Kunst: Kurt von Storch (Vorstandsvorsitzender), Gabriele Bierbaum, Sabine DuMont Schütte, Jörg Engels und Robert Müller-Grünow.

Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig: „Die Wahl von Huang Yong Ping ist eine wichtige Weichenstellung für das Profil unserer Sammlung. Mit ihm zeichnen wir einen Künstler aus, der seit den 1980er Jahren an Fragestellungen von Politik versus Kultur, Universalität versus Individualität, an Schnittstellen zwischen chinesischer und westlicher Kunst arbeitet und ein höchst eigenständiges Oeuvre geschaffen hat. Ich bin sehr erfreut, dass der Wolfgang-Hahn-Preis in 2016 an Huang Yong Ping verliehen wird – eine längst fällige Entscheidung! Seine Arbeit ist für die Erweiterung unserer Sammlung von enormer Bedeutung.

Doryun Chong, Gastjuror für den Wolfgang-Hahn-Preis 2016 und Chefkurator des M+ in Hongkong: „Zu meiner Begeisterung hat sich die Jury des Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2016 für Huang Yong Ping entschieden. Seine nunmehr drei Jahrzehnte währende Laufbahn begann in den 1980er Jahren in China. In den 1990er Jahren hat er sie in Europa und später weltweit fortgesetzt und ausgedehnt. Er durchquerte viele Länder und Kulturen, und auch sein Werk durchquerte eine fantastische Vielzahl von Gebieten und Zeiten. Sein (Euvre ist eine einzigartige Leistung, bekannt für seine oft ehrfurchtgebietenden Maße, seine erstaunliche Ikonografie und seine strenge Intellektualität. Es hat unseren Blick ebenso verändert wie unser Empfinden dafür, wie wir in Geschichte und Welt existieren. Er ist zugleich ein meisterlicher Bildhauer wie ein Künder unserer Zeit.

Eine weitere gute Nachricht für Köln bedeutet das Engagement zweier in Köln ansässiger Unternehmen: BAUWENS und Ebner Stolz. Gemeinsam haben sich BAUWENS und Ebner Stolz für mindestens drei Jahre verpflichtet, den Wolfgang-Hahn-Preis zu unterstützen. Sie unterstützen den Abend der Preisverleihung, die Präsentation im Museum Ludwig sowie die Publikation substanziell.

Über Huang Yong Ping

Mit Huang Yong Ping erhält einer der wichtigsten Vertreter der chinesischen Avantgarde den Wolfgang-Hahn-Preis. Seine Arbeiten enthalten subtile Querverweise zwischen konzeptueller, westlich geprägter und traditioneller fernöstlicher Kultur. Sie verbinden Ironie und Humor, Politisches und Spirituelles. Die Intention seiner häufig großformatigen, skulpturalen Arbeiten ist dabei komplex und vielschichtig. Nicht selten geht es ihm um die Inszenierung von Widersprüchen.

Huang Yong Ping – dessen Nachname in der in China üblichen Schreibweise vor seinem Vornamen geschrieben wird – wurde 1954 in Xiamen, einer Küstenstadt in der Provinz Fujian im Südosten Chinas geboren, und schloss 1981 an der Academy of Fine Arts in der Provinz Zhejiang, China, sein Kunststudium ab. Seine erste Ausstellung hatte er 1983 im Palast der Kulturen in Xiamen, in den folgenden Jahren rief er gemeinsam mit anderen Künstlern die Kunstbewegung „Xiamen Dada ins Leben und stellte mehrfach in China aus. 1989 nahm er an der bahnbrechenden, von Jean-Hubert Martin kuratierten Ausstellung „Magiciens de la terre im Centre Georges Pompidou und in der Grande halle de la Villette in Paris teil. In dieser Ausstellung, in der zu gleichen Teilen westliche und nichtwestliche Künstler vertreten waren, wirkte Martin einer Zentriertheit der westlichen Kunstgeschichte auf Europa und den USA entgegen. 1989 fand auch das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking statt. Im selben Jahr entschied Huang, sich in Frankreich niederzulassen, um dort zu leben und zu arbeiten.

In den folgenden Jahrzehnten nahm Huang an so wichtigen Biennalen/Triennalen wie der Carnegie International (1991) in Pittsburgh, an der Manifesta 1 (1996) in Rotterdam, an der 3. Biennale in Shanghai (2001), an der Triennale in Guangzhou (2002), an der 10. Biennale in Istanbul (2007) und an der 3. Biennale in Moskau (2009) teil. 1999 vertrat er Frankreich auf der Biennale in Venedig zusammen mit Jean-Pierre Bertrand. 1997 widmete ihm De Appel in Amsterdam eine erste Retrospektive. In 2005 richtete dann das Walker Art Center in Minneapolis die umfassende Retrospektive „House of Oracles für den Künstler aus, die weiter an das MassMoCA in Massachusetts und dann an das Ullens Center for Contemporary Art in Beijing reiste. Weitere wichtige Einzel-Ausstellungen waren beispielsweise „Wu Zei im Ozeanographischen Museum in Monaco (2010), „Huang Yong Ping im Nottingham Contemporary (2011) oder „AMOY/XIAMEN im Musee d’Art Contemporain in Lyon in 2013.

In Deutschland war Huang unter anderem Teilnehmer an den Skulptur Projekten Münster 1997 und 1999 an der Ausstellung „Kunstwelten im Dialog im Museum Ludwig in Köln. Aktuell bereitet Huang Yong Ping eine große Retrospektive in der Power Station, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Shanghai, vor (Eröffnung: 17. März 2016). Zudem ist er nach Anselm Kiefer (2007), Richard Serra (2008), Christian Boltanski (2010), Anish Kapoor (2011), Daniel Buren (2012) und Ilya und Emilia Kabakov (2014) Gast der Monumenta 2016 im Grand Palais in Paris. Dort bekommt er die Carte Blanche, um in der 13.000 m2 großen Halle eine raumfüllende Installation zu erschaffen (Eröffnung: 8. Mai 2016).

Am 12. April 2016 zeichnet ihn die Gesellschaft für Moderne Kunst mit dem Wolfgang-Hahn-Preis aus; anlässlich der Verleihung wird zudem eine Präsentation mit einer Auswahl von Huangs Arbeiten im Museum Ludwig zu sehen sein.

Über den Wolfgang-Hahn-Preis

Wolfgang Hahn (1924-1987) war Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig und Gemälde- und Chefrestaurator des Wallraf-Richartz-Museum / Museum Ludwig. Vor allem aber war er auch Sammler. Er begann in den 1950er Jahren, sich mit der aktuellen Kunst auseinanderzusetzen und eine Sammlung aufzubauen, die er in den 1960er Jahren dann mit Objekten der Künstler der europäischen Fluxus- und Happeningbewegung sowie des Nouveau Realisme ergänzte. „Die bohrende Frage der sechziger Jahre nach dem Verhältnis von Kunst und Leben hat Hahn sich nicht von außen gestellt, sondern aus seiner Attitüde zur Kunst heraus selbst entwickelt. Hahn lebte mit Kunst und Künstlern, ohne sich selbst von der bürgerlichen Realität zu entfernen, in der er mit beiden Beinen stand. Kunst wurde nicht zum Objekt herabgewürdigt, sondern als Teil seines Lebens mit ausdauernder Energie erfasst. Die Beschäftigung mit Kunst war das Gegenteil von Ästhetizismus; im eigentlichen Sinne diente sie ihm, der sich mit ihr umgab, als Vehikel der Welterfahrung, so Siegfried Gohr, Gründungsdirektor des Museum Ludwig, über Wolfgang Hahn im Jahr 1997.

Diese Haltung würdigte die Gesellschaft für Moderne Kunst, als sie 1994 den mit 100.000 DM dotierten Preis für zeitgenössische Kunst erstmals auslobte und nach Wolfgang Hahn benannte. Heute beträgt der Etat des Preises maximal 100.000 EUR. Die Anforderungen an die Preisvergabe sind: Der Preis soll vorrangig Künstler ehren, die sich in der Kunstwelt durch ein international anerkanntes Oeuvre einen Namen gemacht haben, die aber noch nicht die ihnen zukommende Aufmerksamkeit vor allem in Deutschland gefunden haben. Mit dem Preis verbunden ist eine vom Museum Ludwig, Köln, organisierte Ausstellung mit Arbeiten des Preisträgers, insbesondere des zu erwerbenden Werks / der zu erwerbenden Werkgruppe, sowie die Herausgabe einer begleitenden wissenschaftlichen Publikation.

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